
Der zunehmende Populismus bzw. das allgegenwärtige Erstarken populistischer Parteien stürzt die Demokratie in eine Krise. So oder so ähnlich lautet die offensichtlich allgemein anerkannte und öffentlich regelmäßig wiederholte These zur aktuellen politischen Situation in zahlreichen demokratischen Gesellschaften. Für den Autor, als noch nicht dem Populismus verfallenem Wähler, stellt sich die Situation aber anders dar. Da man nur einen äußerst geringen Prozentsatz der Wähler populistischer Parteien tatsächlich als Nazis, Rechtsextreme oder auch nur als rechtsextremem Gedankengut gegenüber aufgeschlossen bezeichnen kann, muss die Wahlentscheidung der Mehrheit dieser Wähler andere Gründe haben. Vielleicht sollte man also auch in politischen Kreisen probehalber mal den Gedanken zulassen, dass der Zusammenhang eventuell gerade umgekehrt verläuft. Dass nämlich die Krise der Demokratie zum Erstarken des Populismus erheblich beigetragen hat. Denn eine Demokratie hat spätestens dann abgewirtschaftet bzw. steckt in einer massiven Krise, wenn das machthabende Personal immer öfter vergisst, dass es in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit den Interessen der Allgemeinheit und dem Gemeinwohl dienen soll. Und dies ist in der Bundesrepublik Deutschland seit mindestens 30 Jahren zunehmend der Fall, zeitigt inzwischen unübersehbare, handfeste Folgen im Alltag und geht mit einer starken Entfremdung vom Wähler einher.