Zum Buch:
Sommer 1942. Im tschetschenischen Luhatschowitz betritt der Jude Max Mannheimer trotz der Ausgangssperre den hiesigen Kurpark, reißt alle vorhandenen Verbotsschilder aus dem Boden, auf denen „Für Juden verboten!“ steht, und entkommt ungesehen im Dunkel der Nacht.
Max Mannheimer ist nur einer von vielen Namen, die im Gedächtnis der Geschichte des Nationalsozialismus nicht vorkommen. Namen wie Niuta Tajtelbaum, Anda Luft oder Turia Bielski. Und dennoch gebührt ihnen sowie zigtausend anderen der Respekt der Nachwelt, denn all diese Frauen und Männer waren Widerstandskämpfer, ob mit der Waffe oder dem Stift in der Hand.
Es gibt keine Tradition jüdischer Kriegsführung, und kaum jemand in der jüdischen Widerstandsbewegung verfügte über eine militärische Ausbildung. Dennoch verübten diese mutigen Menschen Sprengstoffanschläge, Attentate und Sabotageakte, bildeten Netzwerke innerhalb und außerhalb der deutschen Grenzen, riefen zur Resistenz im Alltagsleben auf, verfassten Pamphlete und Aufrufe, organisierten überlebenswichtige Formen der Selbsthilfe und sammelten und versteckten unzählige Beweismittel für die grausame Herrschaft des Naziregimes – und das stets unter größtem persönlichen Risiko.
Und dennoch bestand für sie die oberste Pflicht darin, einfach nur zu überleben, um sich dadurch gegen die Politik ihrer Häscher zur Wehr zu setzten.
Lehnstaedt gibt einen Überblick zur Geschichte des jüdischen Widerstands während des Nationalsozialismus – sowohl in Deutschland als auch im besetzten Europa. Sie ist geprägt von unzähligen mutigen Frauen und Männer, die ihr Leben riskierten, um andere Leben zu retten und die Ereignisse des Genozids zu dokumentieren. Mit seinem überaus erhellenden Buch füllt Stephan Lehnstaedt eine wichtige Lücke im Verständnis der Zeit zwischen 1939 bis 1945 und kann somit als Standardwerk verstanden werden.
Axel Vits, Köln