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Gestrandete Riesen

Autor
Wagner, Gerd

Gestrandete Riesen

Untertitel
Geschichten vom schönen Schein und von wirklicher Grösse alter Grandhotels. Illustriert von Claudia Berg. Foto(s) von Maximilian Van Poele
Beschreibung

Grandhotels. Es gibt sie kaum noch, die Riesen aus alten Zeiten, und die Erinnerung an sie nährt sich in der Regel aus ebenso alten Filmen oder Fotografien. Damit sie nicht völlig dem Vergessen anheimfallen, hat der Autor ein bleibendes Werk von höchster Qualität und Kurzweil erschaffen.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Edition Zeitblende, 2019
Seiten
216
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-03800-023-5
Preis
38,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Gerd Wagner, geboren 1956, gelernter Buchhändler, Studium Verlagswesen und Buchhandel, seit 1977 in verschiedenen Funktionen in der Buchbranche tätig, seit 2017 Herausgebertätigkeit

Zum Buch:

Es sind unzweifelhaft die Riesen unter den ganz Großen, und das nicht etwa nur deshalb, weil sich ihr Umfang im Vergleich zu ihren Artgenossen mit demjenigen eines ausgewachsenen Blauwals gleichsetzen ließe, sondern weil es kaum etwas gibt, das sich an Stolz, Exklusivität und persönlichem Charakter mit ihnen messen könnte. Und sie sind längst vom Aussterben bedroht.

Die Rede ist jedoch nicht von den bedrohten Meeressäugern, sondern von Hotels. Aber gemeint sind auch nicht irgendwelche Hotels, wie wir sie heutzutage und zu unser aller Leidwesen an den Stränden und Küsten und entlang der Berggipfel zuhauf finden, sondern vielmehr die einstigen Perlen unter ihnen, deren schöner Schein sich traurigerweise nur selten bis in unsere Zeit erhalten hat. Wir sprechen hier von den Grandhotels, die sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der westlichen Welt etabliert haben und die einen völligen Kontrast zu den damals vorhanden Kaschemmen und Absteigen bildeten, auf die ein gewöhnlicher Reisender angewiesen war. Luxus, Flair, Ambiente, Noblesse, das waren die Koordinaten, um die es sich bei Namen wie dem Les Roche Noire in Trouville, dem Grand Hotel in Scarborough oder dem Thermae Palace in Oostende drehte. Doch viele dieser Riesen wurden später ihrer Reize beraubt, beispielsweise das Grand in Scarborough, welches über 365 Zimmer verfügte, eines für jeden Tag im Jahr, und das einst zu den größten weltweit gehörte. Queen Victoria logierte hier ebenso wie Winston Churchill oder Anne Brontë. Bis es dann im Ersten Weltkrieg durch den Beschuss eines deutschen Kanonenbootes stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, um es vorsichtig auszudrücken.

Der Herausgeber der Edition Zeitblende, Gerd Wagner, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sieben dieser Riesen genauer unter die Lupe zu nehmen und ihre Geschichte wie auch diejenige ihrer Bewohner dem Vergessen zu entreißen. Anhand von im höchsten Maße lebendigen Erzählungen, die sogleich an einen W.S. Maugham erinnern, unter Zuhilfenahme von Illustrationen und alten Fotografien, die seine Mitarbeiter wer weiß wo ausgegraben haben mögen, und durch Gespräche und Reisetagebücher zeichnet er ein ebenso detailliertes wie warmherziges Bild jener längst vergangenen Tage. Man freut sich regelrecht auf den nächsten Urlaub, die kommende Reise, die – möglicherweise – zu einem dieser besonderen Orte aus den alten Zeiten stattfinden wird. Ein großartiges Buch zum Verweilen.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln