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Die Letzten

Autor
Prahs, Madeleine

Die Letzten

Untertitel
Roman
Beschreibung

Sie sind die letzten Mieter in der Hebelstraße 13, und sie hassen sich bis aufs Blut: Karl Kramer, Hausmeister und Realist, Elisabeth Buttkies, lebensmüde Witwe, und Jersey, Studentin in Teilzeit mit Chardonnay-Problem. Doch dann droht ihnen der neue Eigentümer mit dem Rausschmiss, und die drei Erzfeinde werfen sich gemeinsam in die Abwehrschlacht. Was sie nicht ahnen: Sie sind nicht allein. Jemand versucht, ihnen zu helfen und das Geschehen zu beeinflussen. Am Ende blühen die Geranien wieder. Drei sind glücklich. Und einer ist tot.
(ausführliche Besprechung, siehe unten)

Verlag
dtv Verlagsgesellschaft, 2017
Seiten
295
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-423-28134-8
Preis
21,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Madeleine Prahs, geboren 1980 in Karl-Marx-Stadt, ist dort und am Ammersee aufgewachsen. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte in München und Sankt Petersburg. 2014 erschien ihr Debütroman Nachbarn. Für ihre Arbeit an dem Roman Die Letzten erhielt sie mehrere Stipendien, u.a. vom Literarischen Colloquium Berlin. Sie lebt in Leipzig.

Zum Buch:

Drei Verlorene – mehr oder weniger Verzweifelte –, das sind die letzten Mieter der Hebelstraße mit der unglückverheißenden Hausnummer 13. Irgendwie scheinen alle drei am Leben gescheitert. Karl Kramer, aus Beruf und Ehe wegrationalisiert, ertränkt seinen Frust regelmäßig in der Kneipe um die Ecke. Elisabeth Buttkies, mehr in der Vergangenheit als im Hier und Jetzt lebend, pflegt seit ihrer Krebserkrankung und langen Chemotherapie mit liebevoller Hingabe ihr Plastikblumen-Ensemble. Wenn Jersey wieder mal antriebslos herumhängt, die Gedanken an die tote Mutter nicht aus ihrem Kopf zu kriegen sind, trinkt sie ihren geliebten Chardonnay, raucht ihre ><joints aus selbstgezüchtetem Gras und tanzt bei lauter Musik durch die Wohnung und nicht zuletzt auf den Köpfen der beiden anderen herum. In ihren Ansichten über das Leben könnten die drei unterschiedlicher nicht sein, in ihrer Hilflosigkeit, es zu meistern, sind sie sich jedoch ähnlicher, als sie in ihren kühnsten Träumen vermutet hätten.

Die drei bekriegen und belauern sich, hassen sich bis aufs Blut – jeder ist jedem ein Dorn im Auge. Als Major Tom, Jerseys geliebter Kater, tot auf der Fußmatte vor ihrer Wohnungstür liegt, droht der Konflikt zu eskalieren. Erst mit der Wohnungskündigung und der möglichen Zwangsräumung raufen die drei sich zusammen. Im Kampf gegen den Immobilienspekulanten Thomas Grube werden sie zu einer entschlossenen Einheit. Von nun an ist den dreien jedes Mittel recht, um dem „Grube-Scheusal“ den Garaus zu machen. Sie organisieren sich im Widerstand, basteln Farbbomben, versuchen rechtliche Schritte. Ohne die Hilfe eines unsichtbaren Partners jedoch wären sie machtlos. Wer oder was das ist, sei hier nicht verraten. Seltsam natürliche Zwischenfälle spielen ihnen jedenfalls nach und nach die Trumpfkarten in die Hand. Dadurch aber geraten sie in immer irrwitzigere Situationen. Aus der Schockstarre erwacht, sind das genau die Herausforderungen, mit denen sie über sich hinauswachsen und wieder aktiv am Leben teilnehmen können. Ende gut, alles gut? So einfach macht es die Autorin den Lesern nicht.

Eine fantastische Story, die zu herzhaftem, befreiendem Lachen herausfordert. Ein pures Lesevergnügen also, obwohl der reale Bezug oft innehalten lässt. Unter der mit viel schwarzem Humor gewürzten Geschichte schimmert die Hilflosigkeit der drei verlorenen Seelen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, immer wieder durch. Gott sei Dank hat die Autorin einen Deus ex machina installiert, der hilft. Ein verdammt gutes Buch!

Brigitte Hort, Eitorf