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Stummes Echo

Autor
Hill, Susan

Stummes Echo

Untertitel
Roman. Aus dem Englischen von Andrea Stumpf
Beschreibung

„The Beacon“ heißt der abgelegene Hof im Norden Englands, auf dem die Geschwister May, Colin, Berenice und Frank aufwachsen. Wie in vielen Familien wurden den Kindern bestimmte Eigenschaften und Rollen zugeschrieben. Colin, der Erstgeborene gilt als besonnen, ruhig und verträglich, Berenice als verwöhnt, manipulativ und charmant, May als die Klügste – nur über Frank kann niemand etwas Genaues sagen. Er lebt sein eigenes Leben, stumm und still. Trotz der harten Bedingungen auf dem Hof, erleben die Kinder eine glückliche Kindheit. Aber folgt darauf ein glückliches Leben? May bricht ihr Studium in London ab und kehrt auf den Hof zurück, und Frank, der in London Karriere als Journalist gemacht hat, schreibt ein Buch, nach dessen Erscheinen für die Geschwister nichts mehr ist wie zuvor.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Gatsby, 2019
ISBN/EAN
978-3-311-21007-8
Preis
18,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Susan Hill wurde 1942 in Yorkshire geboren. Ihre Geistergeschichten und Kriminalromane um Kommissar Simon Serrailler haben sie zu einer der populärsten britischen Schriftstellerinnen gemacht. Ihr Gothic-Roman Eine Frau in Schwarz läuft als Theateradaption seit über dreißig Jahren im Londoner West End und wurde 2012 erfolgreich mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle verfilmt. Für ihre Romane, Erzählungen und Jugendbücher wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Somerset Maugham Award, und zum Commander of the British Empire ernannt. Susan Hill lebt in Norfolk in einem alten Bauernhaus, in dem in jedem Winkel Bücher stehen, die das Haus im Winter gut isolieren.

Zum Buch:

Seit mehreren Generationen schon lebt die Familie Prime auf dem abgelegenen Hof „The Beacon“ im Norden Englands. Das Leben dort ist hart. Die karge Erde und das rauhe Klima lassen den Menschen wenig Zeit für Müßiggang. Aber die vier Geschwister Colin, May, Frank und Berenice verleben eine glückliche Kindheit dort. Sie sind sehr unterschiedlich, und wie in vielen Familien wurden ihnen bestimmte Eigenschaften und Rollen zugeschrieben. Colin, der Älteste, ist freundlich, ruhig und verträglich. Berenice, die jüngste, wird von allen verwöhnt. Sie hat schnell herausgefunden, wie sie die anderen manipulieren kann, um ihren Willen zu bekommen.

May ist gescheit und neugierig. Lesen und Rechnen hat sie sich selbst beigebracht, und sie durchläuft die Dorfschule und das Gymnasium ohne Probleme. Die Welt steht ihr offen, und als sie ein Stipendium für die Universität bekommt, beschließt sie, nach London zu gehen. Aber bereits im ersten Jahr bricht sie das Studium ab und geht zurück auf den Hof, wo sie fortan mit ihren Eltern lebt. Sie ist froh über das ereignislose Leben dort und scheint, zum Erstaunen von Colin und Berenice, zufrieden zu sein – jedenfalls macht sie keine Anstalten, daran etwas zu ändern.

Dann ist da noch Frank, der Zweitälteste. Nie beteiligt er sich an den Spielen der anderen. Er sucht keinen Kontakt, läuft alleine auf dem Hof herum, und je älter er wird, desto mehr scheint er sich zurückzuziehen. Aber sobald man sich umdreht, ist er da und beobachtet. Mit neunzehn Jahren zieht er nach London. Er beginnt als Redaktionsbote bei einer Zeitung und wird binnen kurzem erst Reporter, dann Chefredakteur. Für ihn ist London eine Befreiung. Aus dem verdrucksten Jungen ist ein offener junger Mann voll Witz und Selbstvertrauen geworden. Irgendwann, nach vielen Jahren, schreibt er ein Buch über seine Kindheit, nach dessen Erscheinen für ihn und für seine Geschwister nichts mehr ist wie vorher …

Susan Hill ist in England eine bekannte Schriftstellerin, die für ihr Schaffen geadelt wurde. Neben Romanen und Sachbüchern schreibt sie auch Kriminalromane und Gothic Novels. Sie ist also auch Expertin für Rätselhaftes und Unerklärliches. Obwohl Stummes Echo zu keinem der beiden Genres gehört, hat das Buch doch viele Elemente davon. Etwa die schleichende Verunsicherung, die den Boden unter den Füßen zunehmend ins Wanken bringt, und die nicht zu klärende Frage, was Wahrheit ist und welcher Erinnerung man trauen kann – falls überhaupt. Trotzdem bleibt der Text ganz bodenständig. Das Buch entwickelt einen ungeheuren Sog, der durch Hills ruhige, klare und undramatische Erzählweise gesteigert wird und dem sich der Leser kaum entziehen kann.

Ruth Roebke, Bochum