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Rassismus

Autor
Wernsing, Susanne; Geulen, Christian; Vogel, Klaus (Hg)

Rassismus

Untertitel
Die Erfindung von Menschenrassen
Beschreibung

100 Fragen und 100 Objekte zum Thema Rassismus
Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum, Dresden

Anhand ausgewählter Bilder und Objekte diskutiert dieser Band zentrale Fragen zur Geschichte der Rassenkonstruktion und Rasseideologie. Gemeinsam mit Autorinnen und Autoren aus Forschung und Bildungspraxis beleuchtet das Kuratorenteam die geopolitische Dimension des Rassismus während des Kolonialismus und setzt sich mit der Rolle des Deutschen Hygiene-Museums in der NS-Rassenpropaganda auseinander. Im Kontext aktueller Fluchtbewegungen betrachten sie die Nachwirkungen des kolonialen Zeitalters und zeigen, welche Dynamik in einer sozial und kulturell vielfältigen Gesellschaft steckt.

Im Zentrum vieler Beiträge steht die Frage, inwieweit die unbedachte Reproduktion rassistischer Bilder in Wissenschaft, Politik und Alltag – oder auch in Ausstellungen – zu ihrer anhaltenden Wirkungsmacht beiträgt? Wäre es nicht konsequent, solche Bilder gar nicht erst zu zeigen? Ab wann ist ein Gegenstand rassistisch? Trifft das bereits auf die Darstellung der körperlichen Unterschiede von Menschen zu? Gibt es ganz andere, noch nie gesehene Gegenbilder?
(Klappentext. Ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Wallstein Verlag, 2018
Seiten
176
Format
Kartoniert
ISBN/EAN
978-3-8353-3226-3
Preis
19,90 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Herausgeberin
Susanne Wernsing, geb. 1969, ist Historikerin und arbeitet als freie Kuratorin kulturwissenschaftlicher Ausstellungen in Wien und Dresden. Bisherige Themenschwerpunkte: Körper, Technisierung, Bewegungskulturen und Performativität.

Herausgeber
Klaus Vogel, geb. 1956, ist Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden sowie seit 2008 Honorarprofessor für Ausstellungswesen an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Veröffentlichung u.a.: Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden: 1911-1990 (2003).

Zum Buch:

Die Liste der Autorinnen und Autoren zu diesem Buch liest sich wie ein “Who is Who“ der Antirassismus-Krieger, die sich im Hygiene-Museum von Dresden ein Stelldichein gegeben haben.

Der Titel verweist zunächst auf historische Dimensionen. Dies wird im Vorwort allerdings eingegrenzt auf 18.,19.,und 20. Jahrhundert.

Das Buch, höchst anschaulich dokumentiert, zeigt die Auswüchse des von Häckel propagierten Herrenmenschentums und dessen Ansprüche auf Intervention, “Zivilisierung“ und Christianisierung der nichteuropäischen „Rassen“. Die daraus entstehende Kolonisationspolitik rechtfertigte sich in dieser rassistischen Überheblichkeit durch die Koryphäen der einschlägigen Wissenschaften. Sie unterstützten und förderten das „Herrenvolk“ und rechtfertigten die brutalen Übergriffe auf Leib und Leben der „unteren Rassen“, auf körperliche und seelische Unversehrtheit und die Zerschlagung ihrer sozialen und kulturellen Identität. Die Europäer fühlten sich befugt, die „Anderen“ auszubeuten.

Im Grunde ist dieses Buch bei aller dokumentarischer Trockenheit und Akribie eine Anklageschrift nicht nur gegen Rassismus und Rassisten aller Couleur, sondern gegen unseren pharisäerhaften Dünkel, überlegen und besser zu sein als die anderen.

Auch im Postkolonialismus perpetuiert sich der Rassismus in zynischer Weise: War es in den vorigen Jahrhunderten die „ehrliche“ machtpolitische Ausbeutung der „Anderen“ durch Zwang, so ist es heute die auf „rechtskonformen“ Verträgen basierende Ausplünderung ihrer Ressourcen. Rassismus also als kollektives Phänomen und als individual ausgerichtete Angstversion gegen Fremdes, die in Hass umschlägt.

Achille Mbembe, der afrikanische Philosoph, bringt den Begriff des Rassismus auf den Punkt, indem er ihn mit dem Begriff der Sklaverei in Verbindung bringt und diesen mit dem kapitalistischen Prinzip der Ware. Die „Anderen“, das waren (und sind) die Sklaven, sie waren die Handelsware und sind es im metaphorischen Sinne noch heute. Und wir sind die Sünder, wenn nicht sogar die Totschläger. Ein Buch für Nachdenkende.

Notker Gloker, Heiligenberg