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Am Rand der Welt

Autor
Pye, Michael

Am Rand der Welt

Untertitel
Eine Geschichte der Nordsee und der Anfänge Europas. Aus dem Englischen von Michael Bischoff
Beschreibung

Normalerweise denken wir bei der Erwähnung der Nordsee an Badeurlaub, also an trübes Wasser, fettige Fritten, Kindergeschrei und lästige Möwen. Aber das wird der Sache nicht gerecht, bei weitem nicht. Es gilt vielmehr ein Meer zu entdecken, auf dessen rauen Wogen sich Ideen ausbreiteten, die unter anderem zur Grundlage des heutigen Europas führten – lehrreich und außergewöhnlich spannend erzählt.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
S. Fischer Verlag, 2017
Seiten
480
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-10-002483-1
Preis
26,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Michael Pye, geboren 1946, studierte Geschichte in Oxford. Er war Journalist, Kolumnist und Reporter in London und New York. Für seine Sachbücher und Romane wurde er vielfach ausgezeichnet. Seine Geschichte der Nordsee wurde von der New York Times zu den „Notable books of the year“ gezählt. Heute lebt Michael Pye abwechselnd in London und Portugal.

Zum Buch:

Bevor die Nordsee ähnlich von Schiffsrouten für Handel und Krieg durchzogen war wie beispielsweise das Mittelmeer, fürchteten die ersten Seefahrer, dem Nichts zu begegnen, sobald sie nördlicher reisten, als die Vernunft es gebot – waren doch die Gefahren mannigfaltig und ebenso absonderlich wie angsteinflößend. Dort sei das Eis so alt und schwarz, dass es brannte, wenn man es anzündete. Es hieß, es gäbe Inseln, auf denen Menschen mit Pferdefüßen oder Ohren von solcher Länge hausten, dass sie ihren ganzen Körper darin einwickeln konnten; dass man dort auf Elche stieße, deren Oberlippe soweit herabhinge, dass sie nur zu fressen vermochten, indem sie rückwärts gingen; oder dass es enorm schwierig sei, Einhörner zu fangen – weil die solch einen Lärm veranstalteten.

Wer sich jedoch, wie weiland König Harald der Harte, noch weiter in nördlicher Richtung über das Meer wagte, der gewahrte an den Grenzen der schwindenden Welt nichts anderes als „den ungeheuren Schlund des Abgrunds“.

Wenn man heute nach Domburg fährt, so kann man sich kaum vorstellen, dass sich dort, wo sich Bratfischbuden und Umkleidekabinen aneinanderreihen und Badende und Hunde auf dem Strand herumtollen, einst eine befestigte Siedlung befunden hat, die vor knapp vierhundert Jahren nach einem heftigen Sturm freigelegt wurde. Das Unglaubliche an diesem Fund war schlicht und ergreifend die Tatsache, dass die Siedlung aus Felsgestein errichtet wurde. Denn in Domburg und Umgebung gibt es nirgendwo Fels. Wie wir heute wissen, wurden die bis zu zwei Tonnen schweren Steinblöcke aus dem 700 Kilometer entfernten Nordfrankreich herbeigeschafft – und das vor weit über eintausend Jahren.

Etwas Unbekanntes war aus dem Meer hervorgekommen und stellte die Wissenschaft wie auch den Laien vor ein gewaltiges Rätsel.

Es gilt, die Geschichte eines Meeres zu entdecken, ebenso spannend erzählt wie aufschlussreich, die uns nicht nur vieles über die Wikinger und die Hanse erfahren lässt, sondern auch über die Entstehung neuer Ideen, die dann den Weg über jenes Meer (und von dort zurück) gefunden haben. Dem Autor Michael Pye gelingt es wie kaum einem anderen Historiker, Geschichte so zu erzählen, dass man sich im wahrsten Sinne des Wortes gar nicht satt daran lesen kann. „Wenn wir herausfinden können“, so Michael Pye, „was geschah und warum es geschah, beginnen wir vielleicht auch zu verstehen, wie unser modernes Leben und unsere moderne Zeit möglich wurden“.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln