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Autor
Baar, Anna

Als ob sie träumend gingen

Untertitel
Roman
Beschreibung

Es ist dieser eine Tag, um den Klees Erinnern kreist, der Tag, der sein weiteres Leben bestimmen sollte und dessen wichtigste Szene ihm entglitten ist. Nur eines weiß er: Seit diesem Tag ist er nicht mehr der Mann, für den ihn alle halten. Anna Baar erzählt in sprachmächtigen Bildern von einer Liebe, die erst im Tod ihre Erfüllung findet. Sie erzählt von Krieg, Widerstand und Mut, von verpassten Gelegenheiten, Lügen und zweifelhaften Wahrheiten. Und sie erzählt von einer Sehnsucht, die mächtiger ist als die Angst und der Tod.
(ausführliche Bespechung unten)

Verlag
Wallstein Verlag, 2017
Format
Gebunden
Seiten
208 Seiten
ISBN/EAN
978-3-8353-3124-2
Preis
20,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Anna Baar, geb. 1973 in Zagreb (ehem. Jugoslawien). Kindheit und Jugend in Wien, Klagenfurt und auf der dalmatinischen Insel Brac. Studium der Publizistik und Öffentlichkeitsarbeit an den Universitäten Wien und Klagenfurt.

Ihr Debütroman »Die Farbe des Granatapfels« stand drei Monate auf Platz 1 der ORF-Bestenliste. Für die Arbeit an »Als ob sie träumend gingen« erhielt sie den Theodor Körner Förderpreis. Anna Baar lebt in Klagenfurt.

Zum Buch:

Es ist dieser eine Tag, um den Klees Erinnern kreist, der Tag, der sein weiteres Leben bestimmen sollte und dessen wichtigste Szene ihm entglitten ist. Nur eines weiß er: Seit diesem Tag ist er nicht mehr der Mann, für den ihn alle halten. Anna Baar erzählt in sprachmächtigen Bildern von einer Liebe, die erst im Tod ihre Erfüllung findet. Sie erzählt von Krieg, Widerstand und Mut, von verpassten Gelegenheiten, Lügen und zweifelhaften Wahrheiten. Und sie erzählt von einer Sehnsucht, die mächtiger ist als die Angst und der Tod.

Der alte Klee liegt auf dem Krankenbett. Von dem wichtigsten Tag seines Lebens ist ihm eine Szene geblieben: Lily, hinkend, aber stolz, mit dem Gewehr vorangetrieben von dem Mann mit einem Totenkopf auf dem Kragenspiegel. Lily, die Liebe seines Lebens, Lily mit dem ungekämmten Haar, die Tochter des Arztes, die – sechs Jahre jünger als er – ihm, dem Sohn eines Bauern, immer wieder unerreichbar schien. Sie wurde am gleichen Tag geboren wie sein Bruder Malik, den er im Kampf gegen die Deutschen tödlich verwundet nach Hause trug. Sie spielte als Jüdin die Orgel im Gottesdienst des Küstendorfes, trotzig auch zu Zeiten der Ausgangssperre, und bewies damit ebensoviel Mut wie Klee, der den Widerstand gegen die Deutschen organisierte. Und dann dieser eine Tag, an dem er, von den Todgeweihten wieder auferstanden, Lily sieht, vorangetrieben von einem Gewehr.

Die Frau, mit der Klee ein Kind haben wird, wird in seiner Erinnerung ihren Namen verlieren, weder Kind noch Kindeskinder werden ihm so nahe sein, dass er sie mit Namen nennt. Die Fliegen, sie waren ihm verhasst, weil sie ihn früher an den Bruder erinnerten, der im Alter von vielleicht zwölf Jahren, über das tote Maultier Mila gebeugt, nach den Plagegeistern schlug. Im Sterben sind sie ihm jetzt willkommen mit ihrem zarten Kitzeln, der letzten Zärtlichkeit, der Erinnerung an das Streicheln eines Mädchens. Magisch ist dieser Roman, der so klar und unerbittlich die Bilanz eines Lebens zieht. Magisch und von großer poetischer Kraft sind seine Bilder.

Susanne Rikl, München